Mitten im Leben: Begegnungen & Aufklärung zum Weltautismustag

Gastbeitrag von Michaela Ulrich
(Tanner Diakoniezentrum)

Bei bestem Frühlingswetter nutzten zahlreiche Menschen die Gelegenheit, sich am Infostand der „Lebensbrücke“ auf dem Fuldaer Universitätsplatz über Autismus, die individuellen Lebenskonzepte und Assistenzangebote am Standort in Gersfeld zu informieren.

Die Einrichtung für Menschen mit Autismus der Tanner Diakonie bot an ihrem Aktionsstand genügend Informations- und Anschauungsmaterial sowie Anreize, direkt ins Gespräch zu kommen.

„Meine Nachbarin hat ein Kind mit Autismus. Ich mache von Ihrem Poster gleich mal ein Foto und schicke ihr das. Da kommt sie sicher mal vorbei! Wie lange seid ihr heute hier?“ - Ein spontaner Satz, mitten im Trubel der Stadt und doch so treffend.

Denn genau darum ging es den Mitarbeitenden der „Lebensbrücke“ am Weltautismustag: Aufmerksamkeit schaffen, Verbindungen
knüpfen und Menschen erreichen. Und zwar genau dort, wo das Leben stattfindet.

Autismus bedeutet, die Welt auf eigene Weise wahrzunehmen – mit besonderen Stärken, aber auch individuellen Herausforderungen im Alltag.

Was für viele schnell zur Selbstverständlichkeit wird, wie Gespräche zu führen, Eindrücke zu filtern oder sich im Tumult zu orientieren, kann für Menschen mit Autismus eine ganz andere Dimension erreichen.

Reize werden intensiver wahrgenommen, Geräusche können überwältigend sein, Kommunikation verläuft anders und ungewohnte Situationen können Unsicherheit auslösen.

Genau deshalb ist es so wichtig, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie unterschiedlich Wahrnehmung sein kann und wie ein unterstützender Umgang gelingen kann.

Denn Autismus ist keine Krankheit, sondern eine andere Art, die Welt zu erleben. Und das mit eigenen Perspektiven, Herausforderungen und Potenzialen.

Der jährlich am 2. April stattfindende Weltautismustag macht auf diese Unterschiede aufmerksam und schafft Raum für Aufklärung.

Für die Mitarbeitenden der „Lebensbrücke“ war er in diesem Jahr vor allem eines: Eine wertvolle Gelegenheit, genau diese Lebensrealitäten sichtbar zu machen und Menschen dafür zu sensibilisieren.

Am Gründonnerstag zeigte sich das Wetter passend zu der Botschaft von seiner besten Seite. Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen sorgten für ideale Bedingungen für den Informationsstand auf dem Universitätsplatz in Fulda.

Der Zeitpunkt kurz vor dem langen Osterwochenende erwies sich als Glücksgriff, denn die Stadt war belebt, viele Menschen unterwegs
und offen dafür, stehen zu bleiben und einmal nachzufragen.

Bereits beim Aufbau ab 9 Uhr bei zunächst frostigen 2 Grad, dafür in perfekter Lage direkt hinter dem Fußgängerüberweg, prophezeiten neugierige Blicke den großen Andrang, der folgen sollte.

Bereits am frühen Morgen wollten Passant*innen erfahren, was hier entsteht. Ein Interesse, das den Informationsstand den ganzen Tag über begleiten sollte.

Mit dem offiziellen Start um 11 Uhr und den stetig steigenden Temperaturen füllten sich nicht nur die Straßen, sondern auch der Uniplatz: Viele nutzten die Gelegenheit für einen letzten Einkaufsbummel vor den Feiertagen und blieben stehen, informierten sich, stellten Fragen oder kamen ganz ungeplant ins Gespräch.

Das Angebot lud dazu ein, sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen: Neben Infomaterial rund um Autismus und die „Lebensbrücke“ sorgten anschauliche Beispiele zur Unterstützten Kommunikation (UK) sowie ein Glücksrad mit kleinen Preisen für Aufmerksamkeit unter den kleinen Besucher*innen.

Besonderen Anklang fanden die Tulpen mit kleinen Ostergrüßen, die als nette Geste an Vorübergehende verschenkt wurden. Auch die Möglichkeit zu spenden wurde gerne genutzt.

Im Laufe des Tages entwickelte sich ein intensiver und nicht zuletzt sehr persönlicher Austausch. Viele Menschen berichteten von eigenen Berührungspunkten mit Autismus, sei es im familiären Umfeld, in der Nachbarschaft oder im beruflichen Kontext.

Andere nahmen zum ersten Mal bewusst wahr, wie vielfältig und individuell Autismus ist. Für alle Fragen standen die spezialisierten
Mitarbeitenden der Tanner Diakonie als kompetente Ansprechpartner*innen zur Verfügung.

Auch ein paar Klient*innen der Lebensbrücke mischten sich unter das Publikum auf dem gut gefüllten Universitätsplatz und freuten sich über die vertrauten Gesichter der Mitarbeitenden sowie kleine Gewinne, die sie beim Dreh am Glücksrad ergatterten.

Bis in den Nachmittag hinein, der noch einmal spürbar an Dynamik gewann, durfte die Einrichtung Menschen an ihrem Stand begrüßen. Vielen von ihnen war die Lebensbrücke zuvor noch kein Begriff.

Umso wertvoller war es, die Arbeit vorzustellen, Einblicke zu geben und ein besseres Verständnis für die Lebensrealitäten von Menschen mit Autismus zu schaffen.

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